Über die Ehrgeizlinge

Die Idee für einen Blog, der Schülern zu besseren Noten verhilft, hatte ich schon sehr lange. In der Tat umgesetzt wurde es jedoch nie.

Der Grund dafür ist, dass es für mich eine Herzensangelegenheit ist und ich dieses Projekt nicht einfach nur in die Welt hinausschießen wollte. Zudem gab es auch viele Zweifel, ob es überhaupt Schüler geben wird, die sich aus eigenem Antrieb heraus verbessern möchten. Zu diesem Gedanken kam ich, da es bei mir überdurchschnittliche lange dauerte, bis es förmlich klick machte. Mehr dazu findest du im ersten Beitrag.

Ich erinnere mich nicht mehr an den genauen Tag, doch es war im Jahr 2008 und ich war bereits 18 Jahre alt. Ich sah einen Film namens 21 – Blackjack und es war das erste Mal, dass ich wahrhaftig verstand, welche Vorteile es mit sich bringt, wenn man gut in der Schule ist.

Im besagten Film geht es nicht primär um gute Noten, sondern um Leistung. Genauer gesagt, dass, wenn man schlauer ist, als die Anderen, man mehr erreichen wird. Doch will ich gar nicht weiter über besagten Film reden. Wenn du dich dafür interessieren solltest, hier ist ein Link zum Trailer.

Als ich darauffolgend im Jahr 2008 anfing mich erstmals zu bemühen, um besser zu werden, funktionierte das keineswegs auf anhieb. Und das ist etwas, dass du dir unbedingt im Hinterkopf behalten solltest: jeder Schritt vorwärts, ist ein wichtiger und lohnenswerter Schritt. Du wirst an einigen Tagen total motiviert sein, wo alles so kommt, wie du es dir vorgestellt hast und an anderen Tagen, da willst du am liebsten alles hinwerfen.

Aber ich kann dir eines versprechen: jeder hat diese Tage, wirklich jeder. Die Frage ist nur, wie du damit umgehst. Und wenn du erst einmal akzeptiert hast, dass es diese Tage gibt, kannst du dich viel besser darauf vorbereiten. Mit der Zeit wirst du mit dieser Situation viel besser umgehen, wenn du dich stetig verbesserst und dich daran erinnerst, dass es ganz normal ist.

Wenn ich dir solche Tipps und Anregungen gebe, dann, weil ich es selbst erlebt habe. Alles, was ich schreibe, habe ich mir nicht einfach ausgedacht, sondern entsteht aus jahrelanger Erfahrung. Ich denke immer, dass ich mich für meine Hilfestellung rechtfertigen muss, damit nicht gleich jeder denkt „Was weißt du denn schon?“. Denn meiner Meinung nach lernt man am besten direkt von der Quelle. Doch die eigene Erfahrung ersetzt nichts.

Ich möchte beinahe sagen, dass ich fast alles miterlebt und erfahren habe. Ich habe freiwillig Klassen wiederholt, habe Schulen gewechselt, hatte mehrere Male „Mangelhaft“ auf meinem Zeugnis stehen, habe fast die Versetzung in die nächste Klasse nicht geschafft, habe mich geprügelt, meine Eltern mussten zur Rektorin, ich musste die Schulordnung abschreiben (was ich nicht tat) und, wenn ich jetzt zurückblicke, dann kann ich mich kaum an diese Situationen erinnern, da sie so subtil sind, dass sie fast nicht zu glauben sind, wenn ich mich heute betrachte. Denn die letzten Schuljahre sah es ganz anders aus.

Zuerst ein wahrhaftiges Beispiel dafür, dass Übung den Meister macht. Es gab in meiner schulischen Ausbildung ein Fach, bei dem ich gnadenlos versagte. „Ungenügend“ war leider keine Ausnahme, sondern üblich. Dann sah ich den zuvor erwähnten Film und ich änderte erstmals mein Verhalten, sowie auch meine Gewohnheiten. Nach der Schule aß ich ein wenig und dann lernte ich bis zum Abend. Das tat ich eine volle Woche lang, da dann schon die Klausur geschrieben wurde. Diesmal fühlte ich mich zum ersten Mal ganz gut vorbereitet. Doch am Ende wurde es nur „Ausreichend“.

Ich habe also eine ganze Woche nahezu durchgehend gelernt und es war nicht einmal „Befriedigend“, sondern nur „Ausreichend“. Und der Grund dafür war, dass ich gar nicht genau wusste, wie ich effektiv lernen konnte.

Ich hatte gar keine Übung darin, wie man richtig lernt, weil ich es nie ehrgeizig verfolgte. Aber – und das mag einige überraschen – ich freute mich dennoch über meinen „Erfolg“. Zum ersten Mal machte ich eigenwillig die Erfahrung, dass ich, wenn ich mich anstrenge, es doch schaffen kann.

Und das änderte alles.

Als ich das erste  Mal die Erfahrung machte, wie es ist, wenn man kein schlechter Schüler mehr ist, wollte ich nicht mehr zurück. Doch den eigenen Eindruck vor seinen Lehrern und Schülern zu ändern, das braucht Zeit oder gute Kommunikation – am besten sogar beides.

Das gute an der Schule ist aber, dass man Fortschritte sehr schnell sieht und sich der Einsatz bemerkbar macht. Und doch ist dieses Vorhaben nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Ich brauchte Jahre, um nicht mehr als schlechter, sondern guter Schüler angesehen zu werden.

Ich schrieb zum größten Teil nur Einsen und Zweien, wurde Klassensprecher, beteiligte mich am Unterricht, machte jedes Mal und gründlich meine Hausaufgaben, arbeitete an freiwilligen Projekten und machte IMMER mehr, als nötig. Auch hier habe ich ein passendes Beispiel.

Im Deutschunterricht hab ich mir besonders Mühe, weil ich merkte, dass ich Defizite im Gegensatz zu manchen Mitschülern hatte. Beim Thema der Analyse bekam ich meine Hausaufgaben kaum zustande. Zwar kannte ich die Vorgehensweise, aber irgendetwas fehlte mir noch.

Trotzdem trug ich meine Hausaufgaben im Unterricht vor, um von meiner Lehrerin detailliert zu hören, was ich falsch gemacht habe und vor allem auch, wie ich es besser machen kann. Sie half mir gerne und meine nächsten Hausaufgaben wurden besser. Zudem war ich einer der Wenigen die ihre Hausaufgaben stets vortrugen. Viele fürchteten sich wohl etwas falsch gemacht zu haben und schämten sich deswegen.

Mir war das vollkommen egal. Ich war da, um zu lernen und nicht, um bereits perfekt zu sein. Durch das Vortragen der Hausaufgaben wurde ich konstant besser, weil ich daher immer wusste, wo genau meine Fehler lagen. Meine Lehrerin bemerkte meinen Fortschritt ebenfalls und gab sich deshalb ebenfalls Mühe mir bestmöglich zu helfen.

Als wir unsere dritte Analyse als Hausaufgabe schreiben sollten, saß ich um die vier bis fünf Stunden zu Hause an dieser einen Analyse. Alles, was ich bisher gelernt hatte, wendete ich an und am Ende meiner Hausaufgaben las ich sie noch ein paar mal zur Korrektur durch, um sie Morgen besser vorlesen zu können.

Diesmal meldeten sich sogar ein paar meiner Mitschüler um selbst vorzulesen. Diese Art von Analyse vorzutragen – zuzüglich der Besprechung – kann schon mal eine halbe Stunde oder mehr in Anspruch nehmen. Bevor ich an der Reihe war, trugen bereits schon zwei meiner Mitschüler vor und die restliche Unterrichtszeit betrug nur noch um die Zehn bis 15 Minuten.

Trotzdem meldete ich mich und fragte, ob ich noch schnell vorlesen könnte, weil ich mir wirklich Mühe gegeben habe und gerne eine Rückmeldung hätte. Meine Lehrerin willigte ein und ich las meine Analyse vor. Nach meinem letzten Satz „Die Moral der Geschichte ist, wie auch in den anderen, auf die heutige Technik gezogen, welche uns immer mehr in ihren Bann zieht und eben diese Ansicht kritisiert Daniel Kehlmann mit seinem postmodernen Roman.” folgte ein Applaus meiner Mitschüler.

Mit so einer Reaktion hatte ich wirklich nicht gerechnet. Vor zwei Wochen noch sagte mir meine Lehrerin was ich alles besser machen muss, um eine gute Analyse zu schreiben und jetzt bekam ich einen Applaus von meinen Mitschülern. Selbst meine Lehrerin war beeindruckt und freute sich über meine enormen Fortschritte.

Was ich dir damit sagen will, ist folgendes: auch, wenn es zu Anfang sehr schwer wirkt und du gar nicht weißt, wo du anfangen sollst, um an dein Ziel zu gelangen, musst du einfach nur den ersten Schritt in die richtige Richtung machen. Konzentriere dich auf den einzelnen Tag, nicht auf das ganze Schuljahr. Gib jeden Tag dein bestes und denke gar nicht erst an Morgen. Und ehe du dich versiehst, wirst du da sein, wo du immer hinwolltest.